Pflanzenfarben

Schon vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren wurden Pflanzen­farben verwendet. Die Verfahren wurden im Laufe der Zeit verändert und verfeinert und wurden im Mittelalter routiniert angewandt.

Verschiedene europäische Pflanzen eignen sich zum Färben von Stoffen. Dabei gehen die Farbstoffe entweder eine Verbindung mit der Faser ein oder sie lagern sich an die Faser an. In letzterem Fall muss der Stoff zu­erst mit einer Beize vor­be­reitet werden. Im Mittel­alter wurden zum Beizen ent­weder Pflan­zen (Sauerampfer, Bärlapp oder Bären­traube) oder Aschen­aufgüsse, Kalk­lau­gen oder Urin verwendet. Heute kommen auch Alaun (Kalium­aluminium­sulfat), Weinsteinsäure, Eisenvitriol (Eisen-ll-sulfat) oder Pottasche zum Einsatz. Da die mittelalterlichen Beizen z.T. selbst eine ge­wisse Farbe aufweisen, sind die Färbungen nur bei Ver­wen­dung mittelalterlicher Beizen authentisch.

Zum Teil enthalten die Namen der Pflanzen Hinweise auf ihre Verwendung als Färberpflanze, z.B. Färberwau, Färberginster, Färberwaid. Der Begriff tinctoria in der lateinischen Bezeich­nung des Pflanzennamens deutet ebenfalls auf eine Färber­pflanze hin, z.B. Seratulla tinctoria (Scharte) oder Rubia tintc. (Krapp). Es gibt aber auch etliche Pflanzen, die zum Färben verwendet wurden, in ihrem Namen aber keinen Hinweis darauf tragen, z.B. Birke, Eiche, Rainfarn, Walnuss oder Zwiebelschalen.

Welche Teile der Pflanze zum Färben verwendet werden, ist unterschiedlich. Auch die Sammelzeit variiert. Im Allgemeinen ist es die Zeit vor der Blüte, weil die Pflanze dann im Saft steht.

Der Färbevorgang läuft im Prinzip nach folgendem Schema ab: die färbenden Pflanzenteile werden zerkleinert und gekocht. Der Farbsud wird abgegossen und der vorher gewaschene und evtl. gebeizte Stoff darin eingelegt. Meist muss erwärmt werden. Der Stoff wird gespült und getrocknet. Erwärmen und Abkühlen sollte langsam erfolgen. Zeiten, Mengen, Beizen und Temperatur sind je nach Stoff und Färbepflanze unterschiedlich.

Bekannte Färberpflanzen

Bekannte Färberpflanzen sind zum Beispiel:

Beizen

Statt den Stoff in Alaun vorzubeizen, kann man das Alaun in der entsprechenden Konzentration meist auch direkt in den Färbesud geben. Anstelle von Alaun kann auch Eisenvitriol verwendet werden. Die daraus resultierenden Farben sind meist intensiver und dunkler.

Ohne Beize färben z.B. Zwiebel, Walnuss, Schlehe, Goldrute, Kreuzkraut und Blaubeere.

Farben

Die meisten Pflanzen ergeben eine gelbe Farbe, z.B. Zwiebel (äußere Schalen), Berberitze (Zweige), Mädesüß (Triebe), Färber­ginster (Triebe und Blüten), Johanniskraut (Triebe und Blüten), Gelbe Resede (Blätter und Triebe), Goldrute (Triebe und Blüten), Rainfarn (Triebe und Blüten).

Grün färben Schachtelhalm (grüne Pflanze), Efeu (Beeren), Liguster (Beeren), Adlerfarn (junge Spitzen), Goldrute (Spitze mit Blüte), Brennnessel (Blätter und Triebe).

Blau färben Indigo (ganze Pflanze), Färberwaid (Blätter), Mahonie (Beeren).

Orange erhält man aus Zwiebeln (äußere Schale), Dahlien (orange Blüten), Echtem Labkraut (Wurzeln), Krapp (Wurzeln).

Rot gewinnt man aus Dahlien (rote Blüten), Geranien (rote Blüten) oder Krapp (Wurzeln).

Braune Farben erhält man aus Walnuss (äußere Schalen), Berglorbeer (Blätter), europäische Lärche (Nadeln), japanische Lärche (Nadeln), Eiche (Rinde).

Schwarz färben Schwarzerle (Rinde), Schwertlilie (Wurzeln), Walnuss (Nüsse), Kreuzdorn (Beeren) und Brombeeren (junge Triebe).

Zum Teil sind besondere Verfahren notwendig, um die Farbe aus der Pflanze zum Vorschein zu bringen, etwa beim Indigo. Hier wird zunächst eine Vorstufe des eigentlichen Farbstoffes erzeugt, der erst durch Oxidation mit Luftsauerstoff entsteht (so genannte Küpenfarbstoffe). Eine Flotte enthält dagegen den fertig gelösten Farbstoff.

Stoffe

Grundsätzlich sind Pflanzenfarbstoffe für Naturfasern geeigneter als für Kunstfasern, die sich häufig mit Pflanzenfarben gar nicht färben lassen.

Wolle gehört zu den am einfachsten zu färbenden Stoffen, die die Farbe besonders gern annehmen. Wolle darf nur langsam erwärmt und abgekühlt werden, sonst filzt sie (nicht mehr als 1°C pro Minute). Unter diesen Bedingungen verträgt Wolle sogar Kochtemperatur. Auch Seide, Baumwolle und Leinen lassen sich färben. Seide darf nicht kochen, sonst verliert sie ihren Glanz. Dieselben Farbstoffe können dabei mit unterschied­lichen Stoffen andere Farbtöne ergeben. Neue Stoffe müssen vor dem Färben gründlich gewaschen werden, da sie Appretur enthalten können und dann keine Farbe annehmen.

Viel Spaß und viel Erfolg beim Experimentieren!

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