Abdrucklehm

Wachsmodelle eines Beiles und eines Ringes mit Abdrucklehm
Mit Abdrucklehm eingekleidete Wachsmodelle

Damit das Gussstück möglichst fein abgebildet wird, verwendet man für die innerste Lage der Form besonders feinen Abdrucklehm.

Der Abdrucklehm wird z.B. mit einem Pinsel auf das Wachsmodell aufgetragen.

Es ist wichtig, darauf zu achten, dass der Abdrucklehm auch in die feinen Strukturen des Wachsmodells eindringen kann und sie ganz ausfüllt. Sonst werden diese Strukturen im späteren Gussstück nicht sauber abgebildet. Je feiner der Abdrucklehm, desto schöner wird das Ergebnis.

Sofort nach dem Auftrag des Abdrucklehms wird das Wachsmodell in Formlehm eingepackt. Alternativ kann man den Abdrucklehm erst komplett trocknen lassen und in mehreren Schichten auftragen. Der Abdrucklehm darf beim Trocknen nicht reißen.

Zur Technik der Formherstellung siehe auch Formherstellung; Experimente zur Verbesserung der Formenherstellung unter Formenforschung.

Abdrucklehm mit Holzkohle

60% feiner Tonschlamm (mit feiner Schamottierung)
40% fein gemahlene Holzkohle

Etwas Spiritus bewirkt, dass der Kohlenstoff am Wachs haftet.

Abdrucklehm mit Specksteinmehl

50% feiner Ton
50% Specksteinmehl

Dieser Abdrucklehm bildet besonders fein ab. Allerdings ist er auch sehr undurchlässig für Luft, die dadurch ohne Windkanäle nicht aus der Form entweichen kann. Bei diesem Abdrucklehm also unbedingt ausreichend Windkanäle anbringen!

Abdrucklehm mit Pferdemist

50% feiner, gesiebter Lehm
50% feiner, gesiebter Pferdemist

Dieser Abdrucklehm ist eine Variation von Roberts Abdrucklehm, der statt Pferdemist Eselmist einsetzt.

Abdrucklehm nach Cellini

Benvenuto Cellini war ein genialer Meister des 16. Jahrhunderts, der sich neben Bildhauerei und Goldschmiedekunst u.a. auch mit dem Bronzeguss hervorragend auskannte. Er hat gegen Ende seines Lebens die "Traktate über die Goldschmiedekunst und die Bildhauerei" geschrieben (Erhard Brepohl (Hrsg.), Böhlau Verlag, Köln, 2005). In diesem Buch überliefert er folgendes Rezept für Abdrucklehm, der er "Formerde" nennt:

Wie diese Formerde zubereitet wird

Auswahl der richtigen Sorte

Die zum Einbetten geeignete Erde wird auf folgende Weise zubereitet. Du nimmst solche, die auch der Kanonengießer braucht. Man findet sie in verschiedenen Gegenden, bisweilen in Flussnähe, dort ist sie sandhaltig, doch sie sollte nicht zu sandig sein - es genügt, wenn sie mager ist. Fettige Tonerde ist weich und schmierig, sie eignet sich zwar für kleine Figuren, Gefäße und Schüsseln, ist aber hier nicht brauchbar. Die für unseren Zweck brauchbare Erde findet man an gewissen Hügeln und in Höhlen, besonders bei Rom und Florenz, auch in Paris in Frankreich, und diese ist die beste, die ich auf der Welt kenne. Im allgemeinen übertrifft diejenige aus den Höhlen solche, die an den Flüssen gegraben wird.

Aufbereitung der Formerde

Um ein gutes Ergebnis zu erhalten, musst du sie zuerst trocknen lassen, und wenn sie trocken ist, siebst du sie durch ein ziemlich grobes Sieb, um sie von kleinen Steinen, Wurzeln und Glasscherben zu säubern. Nun vermische diese Erde mit Scherwolle, von der du fast halb soviel beigeben kannst, wie du Ton hast. Merke dir, ich verrate dir ein wunderbares Geheimnis, welches vor mir niemand kannte, es ist folgendes: Vermenge Erde und Wolle kräftig mit Wasser, so dass sie wie Brotteig werden und klopfe sie gründlich mit einem zweifingerdicken Eisenstab durch. Das Geheimnis besteht nun darin: Lass diesen Teig mindestens vier Monate lang ruhen, auch länger - je länger, desto besser.

Weil die Scherwolle verfault, wird der Lehm geschmeidig wie eine Salbe. Denjenigen, die dieses Verfahren nicht kennen, wird er zu fett erscheinen, doch verhindert diese Art der Speckigkeit keineswegs den Kontakt mit dem Metall, im Gegenteil, dieser Lehm hält unvergleichlich besser, hundertmal fester zusammen, als wenn er nicht gefault wäre.

Ich habe ihn an manchem schwierigen Werk, von dem ich dir am geeigneten Ort noch erzählen werde, ausprobiert.