Feuerführung

Das Führen des Feuers erfordert Aufmerksamkeit und etwas Erfahrung. Von der richtigen Feuerführung hängt ab, ob die Bronze tatsächlich schmilzt.

Das Feuer ist der wichtigste Teil des Schmelzprozesses. Schön heiß muss es sein. Heiß genug, um den Tiegel mitsamt seines Inhalts auf die benötigte Temperatur zu bringen. Die Luftzufuhr aus den Blasebälgen sorgt dafür, dass immer genügend Sauerstoff an die Glut geführt wird. So verbrennt die Kohle schneller und damit heißer. Eigentlich muss jetzt nur noch genügend Kohle nach geworfen werden und alles geht seinen Gang.

Leider zeigt die Erfahrung, dass es eben nicht so einfach sein muss. Eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, ob der Tiegel die benötigte Temperatur erreicht. Im Folgenden wird versucht ein paar Erfahrungen weiterzugeben, die dann vielleicht helfen, schneller zum gewünschten Ziel zu kommen.

 

Einleitend sei gesagt, dass diese Tipps sich auf den von uns zur Zeit eingesetzten offenen Ofen beziehen. In anderen Öfen kann die Art zu feuern vollkommen anders und wie wir auch schon selbst erleben durften (an dieser Stelle Dank an Robert für die tollen Impressionen seines Ofens) viel einfacher sein. Wenn der Tiegel heiß werden soll, dann muss er im Mittelpunkt der Glut stehen. Da im offenen Ofen die Wärme nicht eingeschlossen wird, sondern fröhlich in alle Himmelsrichtungen abstrahlt, wird es nur da richtig heiß wo die Kohle durch die Düse angefaucht wird. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass schon ein um ein paar Zentimeter zu tief oder zu hoch sitzender Tiegel einfach nicht genügend Hitze bekommt. Dann kann sich der Pumper die Arme ausleiern, es geht einfach nichts... Leider kann man nicht pauschal sagen, wo der richtige Punkt liegt, abhängig von der Größe des Ofens, des Tiegels, der Düse, der Einbaulage der Düse, der Menge an Luft usw. liegt dieser Punkt individuell und muss einfach experimentell ermittelt werden.

Es kann aber mit Bestimmtheit gesagt werden, dass von Zeit zu Zeit der Ofen ausgeräumt und mit frischer Kohle durchmengt werden muss. Spätestens nach jedem zweiten Guss sollte das passieren. Wir erklären uns das damit, dass die Kohlestücken im unteren Bereich des Ofens immer kleiner werden und nicht mehr genügend Luft in diesen Teil des Ofens gelangt. Das Feuer wird dort einfach kalt.

Ist der richtige Ort für den Tiegel gefunden, wird er im offenem Ofen gut mit Kohle zugedeckt. So entsteht die "Höllenglut" direkt über und um den Tiegel herum. Der Tiegel sollte nie freigeblasen werden. Es ist also die Aufgabe des Ofenführers dafür zu sorgen, dass immer genügend Kohle nachgeschaufelt wird. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Luft nicht durch zu große Kohlestücken vom Tiegel weggelenkt wird.

Wenn alles gut klappt, kann nach ca. 15 Minuten mal mit einem grünen Stock in den Tiegel gepiekt werden. Eine Schutzbrille mit herunterklappbaren Schweißergläsern kann dabei helfen den hoffentlich hell glühenden Tiegel besser im Glutbett zu sehen. Wenn das Kupfer jetzt schon sehr weich ist, kann mit einer Zange das abgewogene Zinn hinzu gegeben werden. Es schmilzt sofort und legiert sich mit dem Kupfer zu Bronze, die einen niedrigeren Schmelzpunkt als Kupfer hat. Der Tiegel wird dann sofort wieder mit Kohle abgedeckt und für weitere 5 bis 10 Minuten erhitzt. Jetzt wird wieder mit dem grünen Stock in den Tiegel gepiekt. Wenn die Bronze flüssig ist, spürt man ein "Blubbern", als würde die Bronze kochen. Es entsteht durch Gase, die der Stock bei den hohen Temperaturen abgibt. Ein sehr wichtiger Nebeneffekt dabei ist, dass Sauerstoff aus der Metallschmelze entfernt wird. Wenn es also blubbert, ist es Zeit für den Guss.

Der Tiegel wird aus dem Ofen gezogen, die darin schwimmenden Kohlestücken werden abgeschöpft und die Bronze in die vorbereiteten Formen gegossen.