Formenforschung

Der überwiegende Teil unserer Lehmformen wird in traditioneller Technik aus Formlehm hergestellt. Dabei ist festzustellen, dass die gegossenen Objekte starke Unterschiede in der Abbildungsgenauigkeit aufweisen. Bei manchen Objekten kann man Fingerabdrücke erkennen, die beim Formen des Wachsmodells entstanden sind. Bei anderen Stücken erscheint die Abbildung "verwaschen". Teilweise gibt es unerwünschte Anhängsel aus Bronze. Ein und dieselbe Form kann an verschiedenen Stellen sehr gut abbilden, an anderen sehr schlecht. Diese Erscheinungen sind ganz überwiegend nicht auf Gießfehler zurückzuführen. Sie repräsentieren vielmehr exakt die Form, die wir gemacht haben, sind also viel eher als "Formfehler" anzusprechen.

Aus dieser Überlegung heraus stellen wir in einer Experimentalreihe auf verschiedene Arten Formen her und öffnen sie ungebrannt und ungegossen nach dem Trocknen. So können wir erkunden, wie Formen hergestellt werden können, die über das gesamte Objekt hinweg eine möglichst exakte Abbildung des Wachsmodelles erlauben.

Aus den Fehlern, die wir bei diesen Experimenten entdecken, wird eine Anleitung für die Herstellung "guter", d.h. stabiler und sauber abbildender Formen erstellt. Die Anleitung wird durch praktische Experimente auf ihre Tauglichkeit und Richtigkeit untersucht. Die Anleitung steht unter Lehmformen.

Gürtelschnalle G1

Das Wachsmodell wird ohne Abdrucklehm in Formlehm eingekleidet. Dabei werden kleine Formlehmstückchen aneinandergefügt, bis das Wachsmodell vollständig mit ca. 1cm Formlehm umkleidet ist. Das Wachsmodell ist sehr zerbrechlich und ist in der Tat in diesem Fall an zwei Stellen am Anguss gebrochen.

Fertige Form, nass
Fertige Form, nass
Form geöffnet, Rückseite des Wachsmodells
Form geöffnet, Rückseite des Wachsmodells
dto., Vorderabdruck des Wachsmodells
dto., Vorderabdruck des Wachsmodells
dto., Vorderseite des Wachsmodells
dto., Vorderseite des Wachsmodells

Deutlich erkennbar ist hier die teilweise sehr gute, teilweise verwaschene Abbildung. Das ist zu einem gewissen Teil der unsanften Entfernung des Wachsmodells geschuldet, am Wachsmodell kleben Teile der Form. Außerdem sind einzelne rissförmige Löcher in der Form erkennbar, wo die Formlehmstückchen aneinanderstoßen und nicht ausreichend verschmiert wurden.

Gürtelschnalle G2

Herstellung wie G1. Das Wachsmodell bleibt diesmal unbeschädigt.

Form, nass
Geöffnete Form
dto. Rückseite des Wachsmodells
dto. Vorderseite

Auch dort, wo beim Öffnen keine Formteile am Wachsmodell hängengeblieben sind, ist die Abbildung teilweise nicht sehr deutlich. Hier hätte der Lehm tiefer in die feinen Strukturen des Wachsmoidells eingebracht werden müssen.

Gürtelschnallen G3 und G4

Als Abdruckmasse wird eine Mischung aus Ton und Specksteinmehl im Verhältnis 1:1 verwendet, die mit Wasser zu einer zahnpastaähnlichen Konsistenz verdünnt wird. Die Mischung haftet extrem an den Fingern, aber weniger gut am Wachs. Die Wachsmodelle werden mit einer 2-3mm starken Schicht der Abdruckmasse eingekleidet; unmittelbar danach wird mit kleinen Formlehmstückchen die Form aufgebaut. Die Formlehmstückchen werden sorgfältig miteinander verschmiert.

Wachs ausgeschmolzen; Form geöffnet
Wachs ausgeschmolzen; Form geöffnet
geöffnete Form
geöffnete Form

Guss in Specksteinmehl-Abdrucklehm

In der Praxis zeigen die Formen mit Specksteinmehl-Abdrucklehm einen Nachteil: die Luft in der Form kann durch den dichten Abdrucklehm nicht entweichen. Dadurch bilden sich Blasen und sogar Löcher. Die Abbildung an sich ist hervorragend.

Gürtelspitze, Vorderseite
Gürtelspitze
Gürtelspitze, Rückseite
Rückseite mit deutlichen Luftblasen
Form nach dem Guss
Form nach dem Guss
Vergleich mit dem Original
Vergleich mit dem Original

Lehm als Abdruckmasse

Eine Abdruckmasse zum Eintauchen wäre sehr geeignet, um das Wachsmodell schonend und einfach einzuformen. Dazu wird ein Abdrucklehm aus 370g trockenem Lehm, 220ml Wasser angerührt. 3 Tropfen Spüli sollen die Oberflächenspannung verringern und die Netzfähigkeit der Abdruckmasse erhöhen.

Tatsächlich schmiegt sich die Masse eng an das Wachsmodell an und bildet auch feine Strukturen relativ gut ab. Allerdings reißt die Mischung beim Trocknen und ist damit in dieser Form ungeeignet. Der Abdrucklehm lässt sich nur in kleinen Stückchen wieder vom Wachsmodell lösen.

Getrockneter Abdrucklehm mit Rissen
Getrockneter Abdrucklehm mit Rissen
Der Formlehm bildet gut ab, zeigt aber Risse
Der Formlehm bildet gut ab, zeigt aber Risse

Eselmist / Lehm

500ml (95g) Eselmist und 500ml (610g) Lehm werden getrocknet, fein gemahlen und gesiebt und im Verhältnis 1:1 gemischt. 350g dieser trockenen Abdrucklehmmischung werden mit 215ml Wasser zu einem eher festen Abdrucklehm verarbeitet.

Mit dieser Mischung werden die Gürtelspitzen GS5 - GS8 eingeformt. GS7 und GS8 erhalten sofort danach eine Umkleidung aus Formlehm (Eselmist / Lehm nach dem Rezept auf der Formlehm-Seite). Der Abdrucklehm lässt sich nur schwer verarbeiten, da sie schlecht an den Wachsmodellen haftet und sich nur in relativ großen Stücken aufbringen lässt.

GS5 und GS6 zeigen nach dem Trocknen außen einige Risse. Der Formlehm bildet gut ab, zeigt aber kleine Blasen, die sich beim Gießen mit Bronze füllen würden und als Unebenheiten im Gussstück hervortreten. Die außen sichtbaren Risse scheinen nicht bis zum Wachsmodell zu reichen.

GS5 und GS6 nach dem Trocknen
GS5 und GS6 nach dem Trocknen
GS6 nach dem Ausschmelzen des Wachses geöffnet
GS6 nach dem Ausschmelzen des Wachses geöffnet
GS7 geöffnet
GS7 geöffnet

Eselmist / Lehm mit viel Wasser

Mit viel Wasser und zwei Tropfen Spüli wird aus der Eselmist / Lehm-Mischung ein dünnflüssiger Brei hergestellt. Die Wachsmodelle werden in den Abdruckbrei eingetaucht.

Die Gürtelspitze GS1 wurde zuvor dünn mit Spüli eingestrichen (Netzmittel); GS2 und GS3 haben diese Behandlung nicht erfahren. GS4 ist mit etwas festerem Brei eingekleidet.

Nächste Versuche

  • Verwendung von reinem Ton als Abdruckmasse
  • Verwendung einer Ton-Holzkohle-Mischung als Abdruckmasse