Schmelzofen

Mittelaterlicher Glasofen
Mittelaterlicher Glasofen.

Zum Schmelzen von Glas wird ein Ofen verwendet. Mittelalterliche Abbildungen zeigen oft kuppelförmige, mehrstöckige, übermannshohe Öfen, die für entsprechende Mengen Glas ausgelegt waren. Die verschiedenen Ebenen wurden unterschiedlich genutzt: die unterste Ebene diente der Feuerung, in der mittleren Ebene standen die Schmelzgefäße ("Häfen"), die durch die Luken bedient werden konnten. Die oberste Ebene diente dem langsamen Abkühlen des Glases.

Die Abbildung rechts zeigt einen solchen Ofen. Obwohl alle Details und Arbeiten gut erkennbar sind, sieht man nirgendwo Blasebälge. Nach unserer Erfahrung mit dem Bronzeguß erreicht man mit einem Feuer oder Ofen ohne Luftzufuhr maximale Temperaturen von etwa 1000 Grad Celsius. Ob das reicht, zeigt unser Schmelz-Experiment.

Bildquelle: Georg Agricola, Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen, übers. v. Carl Schiffner, Berlin 1928, S. 502 ff. Scanned by Bibliothek für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte / Köln, www.digitalis.uni-koeln.de rights released to the public domain.

Im Rahmen unseres Experiments auf den Hunsrücker Archäologietagen waren wir hinsichtlich der Materialmenge, Aufbau- und Trockenzeit gegenüber den mittelaterlichen Vorbildern eingeschränkt. Wir haben deshalb einen kleineren, einstöckigen Kuppelofen gebaut. Der Durchmesser der runden Grundfläche betrug etwa 60cm, die lichte Höhe 65cm. Die Wandstärke lag bei 7 - 10 cm.

Ofenbau

Die folgenden Bilder dokumentieren den Bau und Betrieb des Ofens.

Gerüst aus Hasel
Ein Gerüst aus Haselsträuchern trägt den Lehm während des Trocknens.
Lehmauftrag
Der mit Grasschnitt vermischte Lehm wird von unten nach oben und in mehreren Schichten aufgetragen.
Erste Schicht Lehm
Die erste Schicht ist fertig.
Hasendraht zur Stabilisierung
Zur Stabilisierung wird Hasendraht verwendet.
Ofen im Betrieb
Nach dem langsamen Trockenheizen ist der Ofen voll in Betrieb.
Glut
Ein Blick in die glühende Ofenkammer.