Bericht über die Hunsrücker Archäologietage 2006 von Kim

  • Wetter auf der Schmidtburg
  • Das ist ein Feuer!

Anna, Papas Schwester Birte, mein Bruder Tharik, Papa und ich fahren jedes Jahr an Himmelfahrt zu den Hunsrücker Archäologietagen auf die Ruine Schmidtburg. Dort finden verschiedene archäologische Vorführungen und Experimente statt, wie Filzen, (tote) Wildschweine mit Feuersteinklingen zerlegen, Speerschleuderschießen, Höhlenmalerei, steinzeitliches Kochen in einer Grube, Nadelbindung, Kettenhemdflechten, mittelalterlicher Schaukampf, Feuer machen mit dem Feuerbohrer, Keramikbrand. Wir gießen zusammen mit J aus Hamburg Bronze. Zu der Veranstaltung kommen jedes Jahr über 100 Leute. Dort zelten wir. Das Wetter ist meistens Regen. Trotzdem ist die Stimmung gut.

Bronze besteht aus Kupfer und Zinn. Um einen Gegenstand aus Bronze zu gießen, müssen wir zuerst ein Wachsmodell des Gegenstandes herstellen. Wir bereiten "Formlehm" zu, einer Mischung aus Pferdemist, Lehm, Tierhaaren und Sand. Dann müssen wir das Wachsmodell in den Formlehm einpacken. Wir müssen dabei einen Eingusskanal freilassen, wo beim Gießen die Bronze durchfließen kann. Die Form wird am Feuer getrocknet und später das Wachs ausgeschmolzen, so dass sich kein Wachs mehr in der Form befindet. Die Form wird gebrannt.

Es gibt auch noch Formen, die aus Speckstein bestehen. Wir stellen sie her, indem wir das Muster, das wir gießen wollen, in den Speckstein einritzen. Wir stellen uns eine Gegenplatte her, damit die Bronze nicht wieder aus der Form herausfließt. Specksteinformen sind wiederverwendbar.

Beim Bronzegießen machen wir ein Feuer in einem Ofen, das durch Blasebälge bis zu 1300 Grad Celsius erreicht. Wir stecken Bronze in einen Tiegel (einen "Becher", der ebenfalls aus Formlehm besteht) und machen die Bronze heiß. Dazu muss man etwa 20 Minuten lang mit den Basebälgen Luft in das Feuer pumpen.

Ich bin ganz aufgeregt, denn dieses Jahr darf ich zum ersten Mal selber Bronze gießen.

Gießen

Kim gießt Bronze
Kim gießt Bronze

Ich nehme den heißen Tiegel mit einer langen Zange, Handschuhen an den Händen und einer Schutzbrille vor den Augen aus dem Ofen und gieße die flüssige Bronze in eine der Formen. Wenn noch Bronze übrig ist, haben wir immer eine Form bereitstehen, in die wir die restliche Bronze gießen können. Wenn es zu wenig Bronze für diese Form ist, gießen wir die Bronze in den Sand. Sie kann das nächste Mal wiederverwendet werden.

Wir lassen die Form abkühlen, so dass wir uns nicht verbrennnen. Mit einem Hammer wird die Form vorsichtig aufgeschlagen und wir gucken, ob der Guss gelungen ist. Bevor der Gegenstand verwendet werden kann, sind noch einige Stunden Arbeit erforderlich für Schleifen und Polieren.

Dieses Jahr wollen wir viele Sachen gießen, u.a. zwei Dolche, eine Sichel, ein Siegel, eine Fischgräte, einen Ring und eine Münze von Tharik. Nur einige dieser Güsse sind gelungen: ein Dolch, die Sichel, das Siegel und die Fischgräte. Die Fischgräte haben wir allerdings mit Silber gegossen, das einen niedrigeren Schmelzpunkt von 950 Grad hat. Sie hat ein bronzenes Auge. Ich habe versucht, Thariks Münze zu gießen. Das hat leider nicht geklappt. Die Sichel und Thariks Münze sind Specksteinformen. Thariks Münze versuchen wir nächstes Jahr wieder.

Auf der Burg kann man noch viele andere schöne Sachen machen. Tharik und ich klettern jedes Jahr auf der Burg herum. Vor ein paar Jahren haben wir eine kleine Höhle entdeckt. Wir haben uns vom Lager Kohle mitgenommen und haben in unserer Höhle die Wände bemalt.

Die Hunsrücker Archäologietage sind cool.

Kim (10 Jahre)