Herstellung von Hautleim

engl. scotch glue

September 2007

Hautleim wird aus den faserförmigen Proteinketten im tierischen Bindegewebe gemacht. Konkret: durch langes Erhitzen von Haut in Wasser. Hautleim ist ein so genannter Warmleim, d.h. er kann nur in warmem Zustand verarbeitet werden. Beim Erkalten bindet der Leim ab. Der Leim darf aber während der Herstellung und Verarbeitung auch nicht zu heiß gemacht werden, da sich sonst die Eiweißstoffe zersetzen und der Leim unbrauchbar wird.

Hautleim hat den Vorteil, dass er beim Trocknen elastisch bleibt, allerdings ist er nicht wärme- und feuchtigkeitsbeständig. Er wird heute noch gerne im Instrumentenbau eingesetzt, insbesondere auch für Lederklebungen.

Die Herstellung von Leim aus Haut klang zunächst ein bisschen eklig und sollte nach verschiedenen Quellen auch mächtig stinken. Wir haben jedoch eine Möglichkeit gefunden, Hautleim ohne Geruchsbelästigung und einigermaßen ekelfrei herzustellen.

"Der Hundefutterladen ist dein Freund." Dort gibt es Kau"knochen" zu kaufen, tatsächlich handelt es sich nicht um Knochen, sondern um getrocknete Rohhaut. Um sie für die Hundebesitzer schön angenehm zu machen, ist diese Rohhaut gereinigt und relativ geruchsarm. Nebeinbei bemerkt ist diese Rohhaut auch zur Herstellung z.B. von Rohhautlaternen geeignet, man muss sich nur ein (oder mehrere) schöne Stücke aussuchen. Die Kosten liegen um einen Euro für einen Kauknochen (Stand 09/2007). Ein solcher Knochen reicht für unser Experiment vollkommen aus.

Der Kauknochen wird zunächst ein bis zwei Tage in Wasser eingeweicht. Die Haut saugt sich mit Wasser voll und wird wieder flexibel. Sie fühlt sich in diesem Zustand etwa wie nasses Leder an, vielleicht ein bisschen glitschiger. Die Hautstücke - meist besteht der Kauknochen im Inneren aus kleinen Resten - werden mit einer guten Schere weiter zerkleinert, bis sie eine Größe von etwa 2cm x 2cm haben. Sie kommen in einen Topf, werden mit Wasser bedeckt und bei kleiner Hitze (kleinste Stufe auf Elektroherd) einige Stunden gekocht. Die Literatur [All03, S.216] gibt z.B. 10 Stunden an; wenn man einen gewissen Verlust an Ausbeute in Kauf nimmt, kann man auch in zwei Stunden mit starker Hitze Leim gewinnen. Wir haben zunächst 2 Stunden und am nächsten Tag noch einmal zwei Stunden gekocht. Die Haut löst sich nach und nach auf, wenn auch in unserem Experiment nicht vollständig und bildet mit dem Wasser eine hellbraune bis beige Flüssigkeit, den Leim.

Beim Erkalten im Topf geliert dieser Leim und verhält sich im kalten Zustand wie zäher Wackelpudding. Zum Verkleben von Gegenständen muss der Leim relativ dünn aufgetragen werden, damit er trocknen kann.

Die Klebkraft ist ganz enorm. Laut Literatur soll die Klebstelle nach Möglichkeit ca. 2 Stunden lang gepresst werden.

Den überschüssigen Leim haben wir eingefroren.

Nach Literaturangaben [All03, S.217] kann man auch den erkalteten gelierten Leim in kleine Stückchen schneiden und trocknen lassen. Bei Bedarf löst man eine entsprechende Menge trockenen Leim wieder in Wasser auf und macht in warm.

Links

http://kremer-pigmente.de/63010.htm

Bericht von einem Instrumentenbauer über die Verwendung und Eigenschaften von Hautleim: http://www.oudinfo.de/Uberblick/Oudbauen_als_Hobby/Dokumentation/Hautleim/hautleim.htm

Wikipedia-Eintrag zu Hautleim: http://de.wikipedia.org/wiki/Hautleim

Hautleim gehört zu den Glutinleimen. Wikipedia-Eintrag zu Glutinleim: http://de.wikipedia.org/wiki/Glutinleim