Lehmform

Für den so genannten "Guss in der verlorenen Form" (Wachsausschmelzverfahren) wird ein Wachsmodell hergestellt, mit ebenfalls aus Wachs hergestelltem Gusstrichter und Windkanälen versehen, dann zunächst mit Abdrucklehm ummantelt und schließlich in Formlehm eingehüllt. Die Form wird getrocknet, das Wachs durch Erwärmen der Form ausgeschmolzen und die Form gebrannt. Bronzezeitliche Formen weisen selten Windkanäle auf. Durch den etwas porösen Formlehm kann jedoch ein großer Teil der Gase entweichen.

Wachsmodell für das Beil
Wachsmodell für das Beil
Wachsmodell von der Seite
Wachsmodell von der Seite
Modell für den Ring
Modell für den Ring

Damit das Gussstück möglichst fein abgebildet wird, verwendet man für die innerste Lage der Form besonders feinen Abdrucklehm.

Variante I: Abdrucklehm trocknen lassen

Wenn der Abdrucklehm aufgetragen und getrocknet ist, wird das Modell mit Formlehm umkleidet. Ggfs. können mehrere Schichten Abdrucklehm aufgetragen werden. Jede Schicht muss trocknen, bevor die nächste aufgetragen wird.

Variante II: Abdrucklehm nicht trocknen lassen

Der Abdrucklehm wird sofort mit Formlehm umkleidet. Dadurch verbindet er sich fest mit dem umgebenden Formlehm und kann nicht reißen.

Welche der beiden Varianten tatsächlich geeigneter ist, lässt sich nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht abschließend beantworten.

Sofern Windkanäle vorhanden sind, muss man bei beiden Varianten darauf achten, dass sich beim Einkleiden in Formlehm nicht abbrechen. Wenn das dennoch geschieht, kann man den Schaden aber meist wieder reparieren.

Beide Wachsmodelle frisch mit Abdrucklehm ummantelt
Beide Wachsmodelle frisch mit Abdrucklehm ummantelt
Beide Wachsmodelle mit trockenem Abdrucklehm
Beide Wachsmodelle mit trockenem Abdrucklehm
Mit Formlehm ummantelte Modelle
Mit Formlehm ummantelte Modelle

Jetzt werden die Formen mindestens eine Woche lang getrocknet und dann vorsichtig am Feuer erwärmt, damit das Wachs flüssig wird. Dabei muss man darauf achten, dass kein Dreck in die Form fällt. Das Wachs wird ausgegossen und kann wieder verwendet werden. Als nächstes wird die Form gebrannt. Dabei verdampfen auch letzte Wachsreste. Wir haben die Formen im offenen Feuer gebrannt. Um zu verhindern, dass Asche oder Holzkohle in die Form fällt, haben wir sie mit der Öffnung nach unten ins Feuer gestellt. Das funktioniert sehr gut.

Lehmformen beim Ausschmelzen
Lehmformen beim Ausschmelzen
Fertige Formen von oben
Fertige Formen von oben
Formen von vorne
Formen von vorne
Die Beilform
Die Beilform

Bei der geöffneten Form kann man deutlich erkennen, dass sich Abdrucklehm und Formlehm nicht miteinander verbunden haben.

Beilform
Die Beilform nach dem Guss.
Ringform
Ringform nach dem Guss. Vorne links im Bild erkennt man deutlich das Bild des Rings im Abdrucklehm

Anleitung zur Herstellung "guter" Formen

Wie unter Formenforschung beschrieben, ist diese Anleitung theoretisch, d.h. noch nicht komplett in dieser Form praktisch getestet und sicher auch unvollständig.

  • Nimm in der Umgebung des Wachsmodells sehr feinen Lehm oder Abdruckmasse, um die Feinheiten gut abbilden zu können.
  • Schmiere den Form- oder Abdrucklehm gut in die feinen Strukturen des Wachsmodells.
  • Füge die Formlehmstückchen bei der Herstellung so zusammen, dass zwischen ihnen keine Lücken entstehen. Verbinde sie durch Verschmieren gut miteinander.
  • Achte darauf, dass das Wachsmodell beim Einkleiden nicht zerbricht.
  • Verwende bei dichter Abdruckmasse Windkanäle, damit die Luft entweichen kann.
  • Brenne die Form lange und heiß, möglichst heißer als die spätere Gießtemperatur.

Eine der fehlenden Anweisungen betrifft das Trocknen des Abdrucklehms vor dem Einkleiden mit Formlehm. Bei welchen Formentypen / Modellen sollte man welches Verfahren anwenden?