Historisches Vorbild = Lutum sapientiae

Um die Lebensdauer von tönernen oder auch gläsernen Geräten zu erhöhen, die direktem Feuer ausgesetzt sind (z.B. Schmelztiegel, Destillationsgefäße), benutzte man im Mittelalter das so genannte Lutum Sapientiae, auch Lutum Philosophorum genannt. Lat. "lutum" bedeutet "Kot, Lehm, Schlamm, Dreck" oder "Ton- / Lehmerde"; lat. "sapientiae" ist der Genitiv Singular von "sapientia", dt. "die Weisheit"; zusammen also etwa "Lehm der Weisheit". Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Lehm und verschiedenen organischen und anorganischen Substanzen. Die betreffenden Gefäße werden mit einer Schicht aus Lutum umgeben, also "lutiert".

Während der Benutzung des Gefäßes verschleißt statt der Gefäßaußenwand das Lutum und schützt so das Gefäß. In ärchäologischen Funden ist Lutum selten nachzuweisen, da es nach dem Brand rasch zerbröselt. Ob und seit wann Lutum im Bronzeguss verwendet wurde, ist nicht bekannt.

Die Rezepte für Lutum Sapientiae unterlagen im Mittelalter häufig der Geheimhaltung, jedoch sind einige überliefert. Zum Beispiel beschreibt Vanuccio Biringuccio in "De la Pirotechnia" von 1540 folgendes Rezept: Man vermenge mageren Lehm mit wenigstens 1/4 der Gesamtmenge an Tuchscherwolle, etwa 1/8 Laugenasche und 1/4 Dung von Pferden oder Eseln [Kur96, S.126]. In anderen Rezepten wurden Ziegelmehl, Eisensinter (Eisenhammerschlag, Fe3O4), Salz, Eiweiß oder Mehl als Beimengungen verwendet.

Wir experimentieren mit einer Mischung aus handelsüblichem Ton, 1/2 frischem Pferdedung, 1/4 Sand zur Magerung und 1/8 Mehl. Die Mischung wird mit Wasser streichfähig gemacht. Die Mengenangaben beziehen sich auf das Volumen.