Seife

Seifen

Wir verwenden für das Ausschmelzverfahren ganz selbstverständlich Wachs. Heute ist das wohl Stearin oder Paraffin oder sowas. Kerzenreste oder günstige Kerzen aus einem großen skandinavischen Möbelhaus zum Beispiel.

Allgemein wird vorausgesetzt, dass es ja auch in der Bronzezeit schon Bienenwachs gab und der Ersatz durch Stearin wohl zulässig ist. Aber wie aufwändig war es, Bienenwachs zu gewinnen? Wildbienen wohnen verstreut. Die Bienenstöcke muss man erst einmal finden. Wieviel Wachs ist in einem Bienenstock? Wieviele Bienenstöcke gibt es im "Einzugsgebiet" eines bronzezeitlichen Gießers? Mit wem konkurriert er um das Wachs?

Ein Imker auf dem MA-Markt auf der Ronneburg schätzte die Wachsmenge in einem wilden Bienenstock auf etwa 2kg. Um das Wachs zu gewinnen musste der Bienenstock zerstört werden. Abgesehen von der Vernichtung der Ressourcen war das Ausräubern eines Bienenstockes ohne Schutzkleidung sicher kein Vergnügen.

Welche Alternativen gibt es also? Könnte man z.B. Seife nehmen? Seife eignet sich zwar nicht zum Kneten, aber zum Schnitzen. Seife schmilzt bei ähnlichen Temperaturen wie Wachs (60 - 70 Grad Celsius), kann also wie Wachs aus der Form fließen.

Seifenrezepte waren schon den Babyloniern bekannt, Seife wurde aber nicht zum Waschen verwendet. Darauf kamen erst die Römer. Seife ist leicht herzustellen aus (Hartholz-)Asche und tierischen oder pflanzlichen Fetten. Wenn ich also von dem Tier, das ich gejagt habe, ein gutes Stück Fett abzweige und daraus Seife mache, ist das mit weniger Schmerzen und Schwierigkeiten verbunden als es bei der Wachsgewinnung erforderlich ist. Den Verlust an Nahrung kann man vermutlich relativ leicht verschmerzen. Notfalls jagt oder schlachtet man noch eines. Essbare Tiere waren vermutlich weit häufiger anzutreffen als Bienenstöcke.

Praxistest bestanden

Auch in der praktischen Anwendung erweist sich die Seife als ebenso geeignet, wie Wachs. Wir haben ein Modell für einen Hammer aus Seife angefertigt und daraus eine Form hergestellt. Die Seife ließ sich rückstandsfrei ausschmelzen und verhält sich ganz ähnlich wie Wachs. Sie brennt allerdings leichter und rußt dabei ein wenig, was bei Wachs nicht zu beobachten ist.